Manche Texte liest du bis zum Ende, andere legst du nach drei Sätzen weg. Oft liegt es an einzelnen Wörtern. Dieses Buch zeigt, was die Forschung über die Wirkung von Sprache weiß, und macht daraus Regeln, die du beim nächsten Text anwenden kannst.
Geschrieben hat es Claudia Koppe. Sie arbeitet seit 2010 als Texterin im Internet und schreibt Ratgeber, Blogartikel und Nachrichten für unterschiedliche Auftraggeber.
Das Buch in einem Satz: Ein Ratgeber, der Erkenntnisse aus Sprach- und Hirnforschung in einfache Regeln fürs Texten übersetzt und dazu Arbeitstechniken zeigt, mit denen du schneller schreibst.
Für dich, wenn …
- Du schreibst regelmäßig Texte für Website, Blog oder Newsletter und willst wissen, warum manche Formulierungen stärker wirken als andere.
- Du suchst Werkzeuge wie Metaphern, Zahlen oder Namen, mit denen du trockene Themen anschaulich machst.
- Du verlierst beim Schreiben oft Zeit und willst Techniken für konzentrierteres Arbeiten.
Eher nicht für dich, wenn …
- Du erwartest ein wissenschaftliches Fachbuch mit ausführlichen Studienbelegen.
- Du brauchst eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Verkaufstexte oder Landingpages.
- Du suchst Anleitungen für SEO-Texte oder den Einsatz von KI-Tools.
Worum es in dem Buch geht
Das Buch hat vier Teile. Am Anfang stehen Grundlagen: das Kommunikationsmodell, Wortarten und die Frage, wie lang ein Satz sein darf. Die Botschaft dahinter: Was ein Text bedeutet, entscheidet der Empfänger, nicht der Autor.
Im zweiten Teil geht es um Forschung. Die Kapitel behandeln Wörter, die Schmerz auslösen, Tabuwörter, die Stress machen, Reizwörter, die Macht der Metaphern und Geschmacksbilder wie „süß“ und „scharf“.
Teil drei und vier machen daraus Praxis: fünf Lektionen für Texter, eine Werkzeugkiste und Arbeitstechniken für effektiveres Schreiben.
Die wichtigsten Ideen aus dem Buch
Wörter wirken körperlich
Das Buch stellt Forschung vor, nach der bestimmte Wörter messbare Reaktionen auslösen, etwa Stress bei Tabuwörtern. Für Texter heißt das: Starke Wörter sind ein Werkzeug, aber eines mit Nebenwirkungen. Ein Tabuwort kann Aufmerksamkeit holen oder abschrecken.
Geh deinen letzten Werbetext durch und markiere die drei stärksten Wörter. Passen sie zu deiner Zielgruppe oder wirken sie übertrieben?
Konkret schlägt abstrakt
Eine der fünf Lektionen lautet sinngemäß: Abstraktes Formulieren verwirrt. Dazu gehört der Umgang mit Fremdwörtern. Seltene Wörter fallen auf, vertraute Wörter schaffen Nähe. Wer beides bewusst einsetzt, steuert, wie ein Text wirkt.
Ersetze in einem Absatz jedes abstrakte Substantiv durch ein Beispiel. Aus „Effizienzsteigerung“ wird „eine Stunde weniger Buchhaltung pro Woche“.
Bilder im Kopf mit der EMR-Methode
Das Buch fasst seine Ideen in der EMR-Methode zusammen: mit Emotionen, Metaphern und Reizen Bilder im Kopf erzeugen. Metaphern machen Unbekanntes verständlich, weil sie es mit Bekanntem verbinden.
Such für dein wichtigstes Produkt eine Metapher aus dem Alltag deiner Kunden. Teste sie im nächsten Newsletter.
Die Werkzeugkiste für lebendige Texte
Der Werkzeugteil stellt sechs Stilmittel vor: Zahlen, Schlüsselwörter und Wiederholungen, ungewöhnliche Namen, Übertreibung und Untertreibung, Ironie sowie Zitate. Jedes davon hat eine klare Aufgabe, etwa Zahlen für Glaubwürdigkeit oder Wiederholungen für die Merkfähigkeit.
Wähl für deinen nächsten Text zwei dieser Werkzeuge bewusst aus, statt alle gleichzeitig zu nutzen.
Schreiben braucht Rhythmus
Der letzte Teil wechselt vom Text zum Schreibenden. Er stellt die 90-Minuten-Regel, die Pomodoro-Technik und das Schreibdenken vor. Dazu kommt ein Kniff: Wer mitten im Satz aufhört, findet am nächsten Tag leichter wieder hinein.
Plane deinen nächsten längeren Text in Blöcken von 25 Minuten mit fünf Minuten Pause und vergleich, wie weit du kommst.
So setzt du das Buch diese Woche um
Wenn du dazu gleich die Überschrift verbessern willst, hilft dir Die Macht der Überschrift aus demselben Verlag.
Was fehlt oder veraltet ist
- Erschienen 2016. Die Grundlagen der Sprachwirkung ändern sich nicht schnell. Neuere Studien kommen aber naturgemäß nicht vor.
- Wenig Belegtiefe. Das Buch übersetzt Forschung in Praxisregeln. Wer die Studien im Detail verstehen will, muss selbst nachlesen.
- KI und SEO fehlen. Texten für Suchmaschinen und das Arbeiten mit KI-Tools sind nicht Thema.
- Ansprache: Das Buch siezt seine Leser.
Häufige Fragen
Was ist ein Neurotexter?
Der Begriff aus dem Untertitel beschreibt jemanden, der beim Schreiben Erkenntnisse aus Hirn- und Sprachforschung nutzt. Gemeint ist kein Fachtitel, sondern eine Arbeitsweise: Wörter bewusst nach ihrer Wirkung auswählen.
Ist „Lies mich!“ für Anfänger geeignet?
Ja. Das Buch beginnt bei den Grundlagen und erklärt Fachbegriffe. Fortgeschrittene finden vor allem in der Werkzeugkiste und bei den Arbeitstechniken Anregungen.
Was ist der Unterschied zu „Die Macht der Überschrift“?
„Lies mich!“ behandelt die Wirkung von Wörtern im ganzen Text. „Die Macht der Überschrift“ konzentriert sich auf die Überschrift und deren Test. Beide Bücher ergänzen sich.
Wenn nicht dieses Buch, dann …
Die Macht der Überschrift von Michael Meckelein
Konzentriert sich ganz auf Überschriften und zeigt, wie du sie mit Tests verbesserst.
Die magischen Worte von Jonah Berger
Neuere Forschung zur Wirkung einzelner Wörter, stärker auf Gespräche und Verhandlungen bezogen.